Ich habe schon viele Dating-Apps für euch ausprobiert. Heute tauchen wir wieder in den Bereich der menschlichen Interaktionen und euphorischen Gefühlsausbrüche ein.
In unserem heutigen Test begegnen wir hübschen Frauen und Männern auf dem Weg zur Arbeit. Was ähnlich wie Pokémon GO funktioniert, könnte sich als praktische Dating-App erweisen.
Was genau ist Happn?
Happn ist genau deine App, wenn du neue Leute kennenlernen möchtest, die denselben Weg zur Arbeit nehmen oder öffentliche Plätze besuchen, an denen auch Du vorbeikommst.
Das System ist keine neue Erfindung, schließlich nutzen bekanntere Apps ebenfalls die GPS-Aufzeichnung.
Durch die Erfassung deiner GPS-Daten kann Happn Menschen finden, die sich in deiner unmittelbaren Umgebung aufhalten. Diese werden Dir dann als Vorschläge präsentiert. Du hast dann die Möglichkeit, dein Interesse mit einem "Charm" zu bekunden.
Vielleicht möchtest Du aber nur zeigen, dass Du diesen Nutzer besonders magst, in diesem Fall kannst Du diesem ein „Like“ hinterlassen. Der tiefere Sinn hinter dieser Funktion ist mir jedoch nicht ersichtlich. Denn wer die „Like“-Funktion nutzt, wird einem als zensiertes Dating-Profil angezeigt, welches man über einen weiteren Like entsperren muss. Doch damit kommt jedoch kein Match zu Stande.
Abos, virtuelle Währungen und Preise
Wie bei vielen Dating-Apps steht auch hier nicht die menschliche Interaktion im Mittelpunkt, sondern das Geld, das man in seinem Wallet trägt. Nur wer sein Happn-Konto mit Credits auffüllt, kann seinem Gegenüber vermitteln, dass er Interesse hat.
Somit ist man praktisch zu permanenten In-App-Purchases gezwungen, um auch weiterhin die wohl wichtigste Funktion in dieser App nutzen zu können.
Der Preis für einen "Charm" betrug im Jahre 2017 noch 0,19 EUR. Mit dem kleinsten In-App-Purchase-Paket in Höhe von 1,99 EUR konnte man für damalige Verhältnisse 10 Charms erwerben.
Die Happn-App feierte in diesem Jahr (2024) ihr 10-jähriges Jubiläum. Während dieser Zeit wurden die Charms in sogenannte „SuperCrushs“ umbenannt. Das 10er-Paket wurde hierbei eingestampft und ersetzt durch ein kleineres 5er-Paket. Was jedoch nicht reduziert wurde, sind die Kosten, die man dafür aufbringen muss.
So kommen wir für einen ehemaligen "Charm" nicht mehr auf einen Einzelpreis von 0,19 Euro sondern auf 1,10 €. Wer eher weniger der Einzelpreise und Spontankäufer ist, für den könnte möglicherweise ein Abonnement interessant sein. Die Empfehlung hierbei liegt bei den Entwicklern von Happn bei der Quartalsabrechnung, welche pro Monat mit 16,33 € zu Buche schlägt was nach Adam Riese für drei Monate 48,99 € ergibt.
Gibt es etwas positives zu berichten?
Die App hat über die Jahre einige Überarbeitungen in der GUI erhalten. Sie wirkt schlank, aber auch kalt und steril. Dies liegt vorrangig an der genutzten Farbwahl der Akzentfarben Schwarz und Weiß. Die jetzige Aufmachung der App erinnert hierbei eher an den Konkurrenten Tinder. 2021 war das Jahr, in dem Happn zusätzlich eine native Benutzeroberfläche als Web-Interface erhielt, womit es nun auch vom heimischen Rechner und ohne Smartphone benutzt werden kann.
Fällt sonst noch was (negativ) ins Auge?
Leider doch so einiges: Neben den erhöhten Einmal- sowie Kosten für das Abonnement hat sich weder der Service noch die Anzahl der Nutzer deutlich verbessert. Zwar basiert Happn auf der Auswertung von Bewegungsdaten (GPS), jedoch fiel in einem 15-minütigen Test auf, dass es viele Profile gibt, die auf der „Durchreise“ sind.
Dies wäre kein Problem, wenn der Ort der Durchreise nicht ein kleines Dorf ohne Verbindung zu einer Metropole wäre.
Wenn wir schon über die Nutzerzahlen sprechen: Während meines ersten 15-minütigen Testlaufs erblickte ich insgesamt 124 Profile. Hierbei gab es einen Mann, der sich als Frau ausgab, zwei Frauen mit gleichem Hauptbild und Namen, jedoch unterschiedlichen Wohnorten. Einige Frauen, welche man von Instagram kennt als auch Frauen, dessen Profile in einer komplett anderen Sprache verfasst waren und dennoch alle aus dem selben Nachbarort kamen, verdächtig, wie ich finde.
Nach einer insgesamt vier Tage dauernden Testphase und einer zurückgelegten Strecke von 50 km durch alle Orte in der Umgebung änderte sich am Angebot potenzieller Partner nicht viel. Es blieb bei vielen Profilen, die ebenso auf der Durchreise waren, mit einem beachtlich hohen Anteil an englischsprachigen Profilen, die aus Brasilien stammten, jedoch eindeutig Bilder verwendeten, die Rückschlüsse auf amerikanische oder osteuropäische Bauweisen zuließen.
Dieser Eindruck scheint auch nicht zu täuschen, wenn man sich die Bewertungen zu Happn auf Trustpilot ansieht. Eine Mehrzahl der Nutzer berichtet von ähnlichen Perspektiven von scheinbar unechten bis automatisierten Profilen (sogenannte Bots).
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Die App weist erhebliche Datenschutzmängel auf, insbesondere in Bezug auf die Weitergabe von Daten an Dritte und die unvollständige Löschung von Nutzerdaten auf dem Endgerät. Die Erfassung sensibler Informationen ohne klare Zustimmung ist ebenfalls bedenklich.
[Quellen: Berechtigungen u. Zugriffspunkte der App, Auswertung Datenschutzerklärung, Datenleck Facebook-IDs, Weitergabe persönlicher Daten]
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Abschließendes Fazit zu Happn
Happn bietet eine interessante GPS-basierte Plattform, um Menschen in der Nähe kennenzulernen.
Leider trüben die hohe Kosten, die unechte Profile und unklare Funktionen das Nutzererlebnis erheblich. Obwohl die Benutzeroberfläche modern wirkt, bleibt sie kühl und wenig einladend.
Die zunehmenden Preise für „SuperCrushs“ und die ungenügende Authentizität vieler Profile lassen die App unattraktiv erscheinen. Positiv ist die Webversion, die auch ohne Smartphone nutzbar ist. Die Bewertungen auf Trustpilot bestätigen viele der genannten Probleme. Für Gelegenheitsnutzer, die wenig investieren möchten, gibt es definitiv bessere Alternativen.
