Auf story.one wurde ich über eine Instagram Werbung aufmerksam gemacht. Als jemand, die eigentlich schon ihr gesamtes Leben mal mehr, mal weniger schreibt, klang die Seite natürlich verlockend - bis zu 17 Kurzkapitel à 3 Seiten in deren Formatierung reichen, um ein eigenes, kleines Büchlein auf den Markt zu bringen. Und vielleicht habe ich dies auch getan und vielleicht auch nicht nur einmal, aber wieso dann jetzt dieser Titel?
Meine Anfangszeit auf story.one liegt einige Jahre zurück, um 2022 herum habe ich im Frühjahr mit dem Schreiben dort begonnen. Die Community war weitestgehend österreich-zentriert, was Sinn macht, wenn man bedenkt, dass story.one sich in Wien niedergelassen hat. Dennoch fanden sich genug Schreiber aus dem DACH Raum und sogar auch aus anderen Ecken, die deutschsprachig und teilweise auch englisch schrieben. Die Mischung macht es, es gab immer wieder unfassbar interessante Leute zu entdecken und die Frontpage erlaubte jedem Nutzer gleichermaßen, Text des Tages zu sein oder zumindest anderweitig ein Feature dort zu erlangen.
Mit die größte Popularität dürfte die Seite jedoch erlangt haben mit der Veröffentlichung des Buches "24. Februar - und der Himmel war nicht mehr blau" von Waleria Schaschenok. Dieses Werk setzt sich, wie man anhand einiger Indizien erraten könnte, mit dem Ukrainekrieg auseinander und behandelt, was eine junge Frau im Krieg in der Ukraine alles widerfahren ist. Das Thema schlug und schlägt große Wellen und ermöglichte der Website somit, einiges an Popularität dazuzugewinnen. Die Leser, aber noch viel mehr die Schreiber, wurden angezogen und blieben zumeist auf der Seite.
Mit eine der Sachen, die mich auf diese Webseite aufmerksam gemacht hat, war ihr jährlicher Wettbewerb, bei dem man fertige Werke in ihrem oben genannten Format einreichen konnte und die von einer doch recht weit gedachten Jury gelesen und bewertet wurde. Natürlich hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Glück, auch nur unter die Top 10 zu kommen - was höchstwahrscheinlich einfach an meinen Nischenthemen lag - aber es war doch stets recht spannend zu betrachten, wer da gewonnen hatte. Die Teilnahme an dem Wettbewerb ermöglichte es einem auch, auf die Zusatzkosten zu verzichten, die sonst entstanden beim Erstellen des Werkes - definitiv ein Plus als Schwabe! - und man erhielt so oder so ein Autorenwerk für einen selbst.
Mein erstes Buch kam im August 2022 auf den Markt, relativ zeitnah also an den Beginn meiner Schreibkarriere auf der Plattform, und von da an kam dann eigentlich fast schon jährlich etwas von mir auf den Markt mit Ausnahme des Jahres 2024 - da kamen gleich 2 meiner Werke und damit tatsächlich auch meine beiden letzten Werke über die Plattform heraus.
Wieso also die Entscheidung gegen story.one?
Es haben viele Dinge dazu geführt, diese Entscheidung zu treffen und es war keineswegs eine einfache - ganz im Gegenteil, beinahe schon täglich konnte man sehen, wie die einst so geliebte Plattform abzubauen begann und ihren vorherigen Charme verlor.
Alles begann mit einem großen Umbruch, als die komplette Website für einige Tage relativ kurzfristig down war, um etwas umzustrukturieren. Das mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, das machen ja viele Seiten, aber was, wenn sich fundamentale Dinge dadurch verändern oder gar komplett wegfallen, die zuvor das ganze Herz der Seite ausgemacht haben?
Wenn auf einmal die Chatfunktion nicht mehr ersichtlich ist oder gar komplett wegfällt, die es einem ermöglicht hat in Kontakt zu treten mit den Menschen, deren Texte man selber gerne las oder die die eigenen Texte gerne lasen? Das ist natürlich ein großes Problem, wenn man vernetzt bleiben möchte. Zum Glück hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits einige Kontaktdaten ausgetauscht und eine eigene Instagram Seite eröffnet für meinen Account. Dies ist dann natürlich trotzdem nicht hilfreich, wenn man irgendwann nicht mehr schreiben kann auf der Plattform.
Was war geschehen?
Ich selber habe mich im Bereich Fiction angesiedelt, ein großes Genre, meine Geschichten sind allesamt zumindest größtenteils, wenn nicht sogar komplett fiktionalisiert. Ich habe alle meine Werke und Texte stets selber zu Papier (bzw. zu Monitor) gebracht, verfasst, editiert und und und.
Zu meiner aktiven Hochphase auf der Plattform war das Höchste der Gefühle eine Rechtschreibprüfung, später kamen dann aber auch Mittel und Wege hinzu, um ganze Texte per KI zu verfassen. Man nannte ein paar Vorgaben und die KI spuckte daraufhin dann etwas aus.
Disclaimer: Ich bin keinesfalls Anti KI, habe jedoch eigentlich immer gehofft, dass wir in einer Welt leben werden, in der die KI Haushaltssachen machen wird oder uns anderweitig erschwerliche Dinge abnehmen wird. Ich bin insofern Anti KI, dass ich es schade finde, mich nicht mehr darauf verlassen zu können, dass Texte und ganze Bücher nicht ohne sie verfasst worden sind und dadurch an einer menschlichen Seele verlieren, die sonst eben nur durch Menschenhand gewonnen werden kann. Ich bin kein Fan von AI Slop in dem Kontext und es bricht mir das Herz, wenn man selber zusehen darf, wie etwas so zutiefst Menschliches abhanden kommt und ersetzt wird.
Was aber, wenn das nicht die einzige Änderung ist, die einen zurücklässt?
Dann kam das für mich eigentlich noch sehr viel Schlimmere: der Wegfall aller Genres zum Fokus auf das Sachbuch. story.one hat durchaus interessante Sachbücher herausgebracht, die auch in Zeitungen, Zeitschriften und generell im Internet erwähnt werden, diskutiert werden und behandelt werden und während ich mir durchaus der Wichtigkeit von Sachbüchern bewusst bin, stellt sich mir als kreativ Freischaffende in anderen Feldern die Frage: Sind wir (jetzt schon) nicht mehr wichtig genug oder gar nicht mehr ertragreich genug?
Ich kenne die Zahlen, ich weiß, wie viele meiner Werke sich verkauft haben und ich weiß auch, dass ich höchstwahrscheinlich keine mehr verkaufen werde, wenn nicht noch Wunder und Zeichen geschehen werden - was relativ unwahrscheinlich ist leider in dem Hinblick. Ich bin auch nicht traurig darum, da es sich um einen print on demand Verlag handelt, werden auch keine x Bücher meinerseits irgendwo gelagert und warten sehnsüchtigst darauf, das Tageslicht zu erblicken. Ich habe mich über jeden Leser gefreut, über jede Rezension, jedes Gespräch, das daraus resultierte und jede Diskussion, die ich damit anstoßen konnte. Ich bin dankbar für die ganzen Seelen, denen ich begegnen durfte, derer Texte ich lesen durfte und die sich die Zeit genommen haben, meine zu lesen.
Es ist klar, dass es so viele Möglichkeiten gibt zum Ausweichen als Self Publisher - alleine bod wäre da zu nennen - aber mit dem Verlust der Genrevielfalt und der aktiven Nutzung von KI ist etwas Essenzielles verloren gegangen. Während sich viele darüber beschwert hatten, dass zwischen 11 und 17 Kapitel á 3 Seiten zu wenig seien für ein ganzes Buch, ermöglichte genau das dem ein oder anderen, Ideen zur Welt zu bringen, die sonst für immer im Kopf geblieben wären. Damit wurde eine ganz eigene Nische des Self Publishing aufgetan, gerade für moderne Zeiten, in denen vielleicht auch nicht jeder die Zeit und Geduld hat, einen guten 1000 Seiten Schmöker zu lesen, aber vielleicht doch etwas Interessantes lesen wollte. Und auch die Unterstützung für (junge und alte) Kreative war vorhanden - ab einer gewissen Anzahl verkaufter Bücher erlangte man eine eigene Provision, die ich auch schon erlangt hatte mit meinen Werken. Es handelte sich vielleicht nicht immer um weltbewegende Summen, aber gerade für einen kleinen Hobbyautoren, der vielleicht nicht gleich sein ganzes Leben brach legen wollte, um Vollzeit zu schreiben, war es genau der richtige Kompromiss.
Ich werde nicht sagen, dass story.one von Anfang an perfekt war, aber ich werde sagen, dass es gut war, wie es war.
Man fuchste sich hinein, lernte mit den Tools zu arbeiten, die man hatte und gelang vielleicht auch an seine eigenen kreativen Grenzen, die einen dazu brachten, manchmal die Elaboration hinter sich zu lassen um der Geschichte willen. Perfekt ist nichts und niemand, aber gerade gut bis sehr gut für die Nische, innerhalb derer man sich befindet, das war hier durchaus gegeben. Wenn ich an die zahlreichen Lesungen denke, die ich immer wieder verfolgt habe, wo aus eben genau diesen Werken gelesen wurde, wenn ich an meine eigenen Lesungen denke, die ich gegeben habe aus ebensolchen Werken, die Kürze hat keineswegs die Quintessenz dieser Romane gemindert, ganz im Gegenteil, in vielen Fällen würde ich sogar sagen, hat es wie eine konzentrierte Vertiefung gewirkt.
Man wollte die gesamte Storyline zu Ende erzählen oder zumindest Dinge nicht unerzählt lassen und entschied sich dann dafür, bewusst auf Worte und Sätze zu achten. Eine hohe Kunst in sich selbst, die auch in Zeiten der KI Nutzung etwas verloren gegangen ist. Wir suchen nach typischen KI Phrasen und Hinweisen darauf, dass KI Texte verfasst haben, anstatt ganz bewusst zu genießen, dass ein Mensch entschieden hat, dass genau dieser Satzbau, diese Phrase, diese Interpunktion an der Stelle die richtige war um das zu übermitteln, was man als Autor seinem Leser mitteilen wollte. Wir haben verloren, bewusst ein paar Minuten Zeit zu nehmen für einen Text von Menschenhand verfasst, vielleicht nicht direkt oder augenscheinlich perfekt erscheinend, aber nichtsdestotrotz eben zutiefst menschlich war, eine Eigenschaft, von der man meinen sollte, dass wir sie als Menschheit nicht aus der Hand reichen wollen würden.
Ich habe keineswegs aufgehört zu schreiben. Ich möchte dies nur in einem Bereich tun, in dem ich mich nicht immer hinterfragen muss, ob eine KI das geschrieben hat oder nicht und in der ich mich nicht rechtfertigen muss dafür, keine genutzt zu haben.
Was sind deine Erfahrungen mit story.one - sowohl als Leser als auch als Autor?
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