Am 21.06. sorgte das Heidebad in Halle an der Saale für einen ordentlichen Shitstorm sondergleichen, der durch die Presse peitschte wie ein Lauffeuer. Da dieses Ereignis in meinem Bundesland stattfand, möchte ich mich hierzu mit meiner Reaktion positionieren. Weshalb dies nicht gerade einfach, dafür aber direkt ist – erfahrt ihr im heutigen Thema.
Was ist im Heidebad passiert?
Sicherlich habt ihr auch davon gehört, dass der Betreiber des Heidebades, Mathias Nobel, mit seinem Pochen auf einer "nur Deutsch" sprachlichen Kultur unbarmherzig in die Schlagzeilen der Journalisten geraten ist. Hierbei gab er an, die Sicherheit der Besucher nur dann gewährleisten zu können, wenn diese auch der deutschen Sprache mächtig sind, und würde laut eigenen Worten dies daran festmachen, ob ein Besucher auf konkrete Fragestellungen bezugnehmende Antworten geben könne.
Dies und weitere Sachverhalte konnte man dem MDR-Interview entnehmen, welches man unter folgendem Link (Facebook) einsehen kann.
Enthielt das Interview meiner Meinung nach unglücklich formulierten Äußerungen wie:
“Wir sind zum retten da. Und aktuell ist der Fall so, dass wir auf Kinder aufpassen, betreuen, weil die Eltern das Verständnis nicht haben, ihre Kinder zu betreuen und aufzupassen.
Mathias Nobel
”
Dies allein ist für mich schon eine Art Generalisierung, also eine Form der Verallgemeinerung, die automatisch alle Menschen betrifft, die nicht dem Narrativ der deutschen Sprache entsprechen. Doch etwas später wird mein persönlicher Verdacht dahingehend verstärkt, indem es heißt:
“(1) Die Regeln werden nicht eingehalten, weil sie die nicht kennen und nicht verstehen wollen.
(2) Ich könnte Englisch und Arabisch und in allen Sprachen machen.
(3) Piktogramme: Aber es geht um die Akzeptanz
(4) Es ist quasi eine andere KulturMathias Nobel
”
Ich persönlich finde diese Statements teilweise problematisch. Denn wie weiter oben erwähnt, handelt es sich hierbei um eine sehr starke Verallgemeinerung, wenn nicht sogar Unterstellung, dass man sich bewusst nicht an die Regeln oder eben Sicherheitsbestimmungen halten möchte. Doch wenn es um die Sicherheit der Badegäste geht, kann ich eben nicht verstehen, weshalb man als Betreiber nicht gewillt ist, zumindest der Sicherheit wegen die Regeln auf eine großflächige Sprache wie Englisch niederzuschreiben, damit gewillte Badegäste wenigstens eine Chance haben, diesen auch folgen zu können.
Doch etwas früher im Interview heißt es hierzu: »Mehrere Sprachen oder Piktogramme sind für den Betreiber keine Option«. Wenn wie vom Betreiber gesagt wird, es geht um die Sicherheit, so kann ich nicht nachvollziehen, weswegen Piktogramme, welche allgemein verständlich und damit nicht gebunden an Sprachkenntnisse sind, eben keine Möglichkeit sind, die Badegäste über eventuelle Gefahren aufzuklären.
Hinweis: Ich möchte dem Betreiber keinerlei böswillige Absichten unterstellen. Lediglich die Zusammenhänge und Statements, die getroffen wurden, sind derart unglücklich, dass diese eben Schlüsse zulassen, die bei vielen Menschen Fassungslosigkeit auslösen.
Ebenso im Interview ist zu hören, wie eine bewusste Entscheidungsfindung getroffen wird, um festzustellen, ob ein Interessent den Zugang zum Heidebad erhält, und dies sieht so aus: »Welche Gäste nicht gut genug Deutsch sprechen und draußen bleiben müssen, das entscheiden die Mitarbeiter am Eingang.«
In Zusammenfassung aller Statements, die im Zusammenhang mit dem Interview entstanden sind, erhellt sich für mich das Bild, dass zumindest ein ausgrenzendes und pauschalisierendes Bewertungssystem genutzt wird, mit einer gewissen Tendenz zu diskriminierungsnaher Zugangspraxis. Gerade der Ausschluss von englischsprachigen Sicherheitsregeln untermauert diesen Verdacht vehement, während der Betreiber stark in den Medien doch auf die Durchsetzung der deutschen Sprache pocht.
Warum mich dieser Fall eben trifft
Als Sachsen-Anhalter bin ich eben wie viele Menschen im Osten davon betroffen, dass man über uns vorschnell die Rassismus-Keule schwingt (gesellschaftliche Außenwahrnehmung). Wir, die im vermeintlich "braunen Deutschland" Lebenden, die durch die Bank weg die AfD wählen und uns die Mauer zurückwünschen würden. Doch eben so ist es nicht. Ganz und gar nicht.
Eben schon ein paar unglückliche Aussagen, vielleicht getroffen aus Nervosität, reichen schon aus, um das Framing eines "Rassisten" zu erhalten. Zeitgleich und ebenso unglücklich für Herrn Nobel wirkte sich die Beteiligung der AfD aus, die solch ein Verhalten selbstverständlich als Booster für deren Kampagnen sah.
Wenn uns doch die Vergangenheit eins gelehrt hat, dann eben, dass Menschen vielschichtig sind und nicht nur das: Durch Vielfalt kommt eben nur das Beste zum Vorschein. Selbst in der Natur macht die Monokultur alles zunichte, was für Reproduktion und Wachstum steht.
Welche Möglichkeiten der Verständigung gäbe es sonst?
Mit dieser Frage habe ich mich mal eine kurze Weile beschäftigt und muss sagen, mit etwas Eigeninitiative wäre doch so einiges möglich, ohne große mediale Aufmerksamkeit zu generieren:
- Das laminierte Blatt mit unterschiedlichen Sprachen
Wer schon des Öfteren in Freizeitparks war, dem ist sicherlich aufgefallen, dass, sofern es keine großflächigen Schilder gibt, zumindest ein solches laminiertes Papier im Kassenbereich vorliegt, an dem man sich in seiner Sprache ausreichend informieren kann. - Piktogramme
Wie bereits in meinem Text erwähnt, würden Piktogramme sämtliche Sprachbarrieren vollkommen aufheben. Die verwendeten Symbole sind so verständlich, dass sogar Kinder deren Bedeutung verstehen. Tiefgreifendere Personalschulungen für Arabisch würden somit entfallen. - Mehrsprachige Mitarbeiter
Wie im Interview zu erfahren ist, sind im Heidebad laut Betreiber auch ausländische Mitarbeiter beschäftigt. Weshalb diese dann nicht mit ihren Sprachkenntnissen zumindest aushelfen könnten, ist mir schleierhaft. - Smartphone mit Übersetzungs-App
Generell ist es eine gute Idee, einen Schritt zu wagen, um den Gegenüber zu verstehen, indem man sich einer Übersetzungs-App bedient. Natürlich erhält man hier keine rechtssicheren Texte, doch zur allgemeinen Verständigung wie "hinter der Markierung ist das Wasser sehr tief und nur für Schwimmer geeignet" sollte es meiner Meinung nach vollkommen ausreichen.
Es gibt also, wie man sieht, doch einige Möglichkeiten, die man nutzen könnte, statt den Zugang eines Bades restriktiv auf "nur Deutsch" zu beschränken.
Wie ging es denn nun aus?
Nach mehreren Tagen der Medienpräsenz ist die Stadt Halle ziemlich schnell auf den Betreiber aufmerksam geworden und stellte diesem die Möglichkeit in Aussicht, entsprechende Hilfen der Stadt in Anspruch nehmen zu können, die Herrn Nobel etwas entlasten sollten. Diese sehen unter anderem nun eben doch die Schilder vor, welche von Herrn Nobel zuvor abgelehnt wurden. Diese Zusammenfassung könnt ihr euch selber unter folgendem Link (Facebook) ansehen.
Was ist eure Meinung zu den Ereignissen aus Halle?
Bildquelle: Ki generiert, Symbolfoto / Weitere Quellen: MDR Sachsen-Anhalt, Stadt Halle
