Logo von ApfailKuchen Sprechblasen-Hintergrund
ApfailKuchen | Technik, Gaming u. Apps im Check  

Hier findest Du interessante Artikel zu digitalen Themen:
Apps- & Game-Reviews auf Android, PC sowie Konsolen.

Plus: Highlight-Videos und Reels aus eigener Produktion.

Offline oder unsichtbar? Das Paradoxon unserer Freundeslisten

Person in einem Mantel im Rauch des Offline anzeigend Status

Immer wieder frage ich mich "Halloooo ist hier jemand?!" und die Antwort lautet eigentlich ganz schlicht: 'ja'. Während wir uns in den frühen 2000er Jahren über ein "Uh-oh" von ICQ gefreut haben, verstummt die Kommunikation in der eigenen Freundesliste scheinbar immer stärker. Was sind die Gründe dafür? Darüber möchte ich heute ein wenig abschweifen und in die Tasten hauen – vielleicht geht es nicht nur mir so?

Es ist Samstag, das Wetter ist unbeständig, man hat gut gefrühstückt und die Freizeit erlaubt ein paar schöne Stunden vor der heimischen Konsole oder dem High-End-Gaming-PC. Kaum ist die jeweilige Kiste an, schaut man womöglich bildlich in die Röhre, denn obwohl die Freundesliste mit 30+ Leuten doch gut gefüllt ist, ist der größte Teil davon offline.

Doch ist offline auch wirklich offline?

Denn oft "erwischt" man sie beim Vorbeilaufen in anderen Clients und Launchern und fragt sich dann, was der ganze Zirkus mit der ständigen Offlineanzeige eigentlich soll.

Warum scheint eine Generation von Menschen verlernt, einfach 'nein' zu sagen? Dass, wenn man keine Ambition oder kein Interesse hat, man dies einfach kommuniziert – für den Fall, dass man überhaupt angeschrieben werden würde. Doch die Lösung heißt hier scheinbar, sich wegzuducken.

Vielleicht aus Scham, vielleicht um unnötigen Gesprächen aus dem Weg zu gehen. Natürlich gibt es auch den vollkommen legitimen Grund: Man möchte schlicht seine Ruhe haben. Das sollte auch gar nicht infrage gestellt werden. Nicht jeder, der sich unsichtbar macht, möchte sozial abgeholt oder zum Spielen eingeladen werden. Ich sehe das Problem eher darin, dass aus einem "Ich möchte gerade meine Ruhe" ein unbewusster dauerhafter Zustand wird. Denn irgendwann weiß niemand mehr, ob man gerade keine Zeit hat, keine Lust hat oder überhaupt nicht mehr angesprochen werden möchte.

Finden wir nicht eher Konsens darin, wenn wir unserem Gegenüber offen sagen können, dass wir gerade keine Zeit oder Lust haben?

Zu wissen, dass das Gegenüber mir nicht böse ist, wenn ich nein sage, ist doch eher erfüllend, als gar nicht erst gefragt zu werden – meiner Meinung nach.

Die Betrachtungswinkel eines Offline-Paradoxons

Wie ich es im letzten Absatz schon meinte, muss man den Offline-Status vielleicht aus unterschiedlichen Winkeln betrachten:

Keine Zeit – keine Lust – keine Anwesenheit

Es gibt Momente, da möchte man einfach ungestört sein. Gerade wenn man sich vielleicht im Homeoffice befindet, sich einen Livestream von meinem YT-Kanal ansieht oder eben wirklich keine Lust hat. Dies alles sind natürlich valide Gründe, weswegen man den "Als offline anzeigen"-Modus verwenden sollte. Doch genau aus diesem Verhalten ist eben eine eigene Bewegung geworden.

Heute offline gestellt – morgen vergessen. Sind wir doch mal ehrlich: Wie oft vergisst man eigentlich, den Modus wieder abzuschalten und online "aufzutauchen"?

Einmal festgesetzt, fällt es auch gar nicht so sehr auf – schließlich kann man die anderen Leute ja sehen. Doch hier liegt der Knackpunkt!

In der Isolation des Offline-Modus

Man kann nie wissen, ob einem eine freundliche Nachricht oder eine Einladung entgeht, wenn man sich ständig im Offline-Modus befindet. Nicht dass es böswillig wäre; es ist eben das Zusammenspiel zwischen Verfügbarkeit und Erreichbarkeit. Beide Begriffe liegen ziemlich nah beieinander, unterscheiden sich jedoch mehr, als man glauben möchte.

Wer nicht verfügbar ist, bekommt womöglich gar nicht erst eine nette Einladung, gemeinsam etwas Zeit zu verbringen – ganz einfach, weil der andere davon ausgeht, dass man ohnehin nicht erreichbar ist. Wer online angezeigt wird, ist damit zwar verfügbar, muss aber nicht zwangsläufig erreichbar sein. 

Online sein bedeutet nicht automatisch, dass man Zeit hat. Offline sein bedeutet aber für den anderen zunächst einmal: Versuch es gar nicht erst. 

Wie man das Dilemma lösen könnte

Denn auch wenn Unsichtbarkeit vielleicht eine ruhigere Atmosphäre verschafft: Wofür hat man sonst eine Kontakt-/ Freundesliste, wenn man eigentlich gar nicht vorhat, miteinander zu interagieren? Denn vielleicht hat die Person durchaus Lust auf Interaktion – sie signalisiert es nur nicht mehr. Irgendwann entsteht dadurch ein sich selbstverstärkender Kreislauf:

Offline → weniger Einladungen → weniger Interaktion → noch weniger Grund, online zu gehen → Als offline anzeigend bleibt Standard.

Statt ständig als offline anzeigend zu verbleiben – ob bewusst oder unbewusst – wie wäre es denn eher, ein stärkeres Signal zu geben, indem man als Status einfach beschäftigt / busy auswählt? Es nimmt den Nachgeschmack eines Deckmantels und symbolisiert eben offen, dass man da ist, aber aktiv keine Zeit hat. Meiner Meinung nach definitiv ein besseres Zeichen, als in der Unsichtbarkeit zu versickern.

In der Gemeinschaft von etablierten Spielern – dem C0r3 in dem ich mich befinde – handhaben wir es so, dass man aktive Signale geben kann, um gemeinsame Aktivitäten zu starten oder zu planen. Denn proaktive Signale sind für eine Gemeinschaft und für gemeinsame Zeiten einfach unerlässlich. 

Maverick (Mavi) aka ApfailKuchen baut keine Inhalte – er baut Welten.

Seit 2014 verteilt er Butterstreusel im Internet: mit System, Haltung und Humor. Sein Revier? Tech, KI, Android, Gaming; und alles, was Tiefgang statt Trend verspricht. Das spiegelt sich auch in seinen analytischen Bewertungen wider.

Er liebt Simulationen, meidet heiße Luft und hinterfragt alles (meist) auch sich selbst.
Wer mehr über Maverick alias ApfailKuchen wissen will, klickt auf Selbstporträt oder Meine fünf Cent.