Heute am Bergfest möchte ich mir einmal die Zeit nehmen, um über ein besonderes Projekt zu sprechen, an dem ich mich mit meiner Anwesenheit beteiligen darf. Es geht dabei um eine der ältesten Netzkulturen bzw. Netzwerke, die es gibt – die sogenannten Webringe. Folgt mir auf den Spuren der Vergangenheit bis zum heutigen Tage.
Bevor wir so richtig in der Neuzeit ankommen, lasst uns einmal die Basics für dieses Thema abklopfen, denn schließlich sind wir ja deswegen hier, nicht wahr? ;-)
Was ist ein Webring?
Webringe sind älter als die uns wohl bekannten Suchmaschinen und sollten das Navigieren im Internet zur damaligen Zeit erleichtern. Oft haben sich thematisch verwandte Internetseiten oder auch Blogs untereinander verbunden, um den Besuchern ohne große Mühe eine breite Vielfalt an ähnlichen Themen anbieten zu können.
Der erste Webring entstand 1994 und wurde von Sage Weil entwickelt, der auch ein CGI-Skript zur Verwaltung schrieb. Mit diesem Skript war es möglich, Webseiten und Blogs untereinander zu verbinden, sodass man sich innerhalb eines Rings bewegt. Solche Navigationen findet man meist im Fußbereich (Footer) einer Website.
Der erste Webring von Sage Weil erregte dabei so große Aufmerksamkeit, dass im Jahr 2000 dieser samt Domain von Yahoo übernommen wurde.
Wider den Algorithmus: Warum Webringe heute wichtiger sind denn je
Gute Frage! Hier kommt meine ehrliche Antwort: In der heutigen Zeit nehmen wir uns kaum noch die Zeit für Beiträge und Themen, die von Hand und mit Herzblut geschrieben wurden. Wir sind gefangen in Bubbles, bestimmt durch Algorithmen, deren Meinungen und Definitionen inzwischen durch KI-Erklärungen sowie KI-Slop regelrecht überschwemmt werden.
Wir nehmen uns nicht mehr die Zeit, in der Google-Suche die ersten drei oder vier Ergebnisse zu lesen. Das, was wir wissen müssen oder sollen, steht oft bereits verdichtet in einer KI-generierten Antwort.
Blogs sind nicht nur Pioniere des Internets, sondern auch dessen Poeten. Einige von uns Bloggern machen ihr Hobby nicht, um maximale Reichweite zu erreichen, nicht für die Fanbase und sehen mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum Gewinn – für alle, bei denen es anders aussieht, freut es mich natürlich.
Doch einige von uns sind eben der nostalgischen Schönheit der Vergänglichkeit verfallen. Einer Vergangenheit, die ehrlicher und wärmer war. In einem Webring findet man somit Menschen, die ein ähnliches Denken haben. Also ja: Für mich könnte es keine bessere Gesellschaft geben – für Menschen, die ein ähnliches Muster an Gedanken haben und sich mitteilen möchten, ohne über Gewinnerzielung nachzudenken. Für mich persönlich ist es zudem eine kleine Therapie, um die Depression in Schach zu halten.
Werden Webringe heutzutage noch angeboten?
Ja, es werden noch einige, vor allem klassische Webringe, angeboten, bei denen es um die reine thematische Spezifizierung geht. Doch wir wären nicht hier, wenn ich nicht eine Empfehlung im Ärmel hätte, die ich euch gerne vorstellen möchte.
Denn ich bin seit genau einem Monat ein Teil des uberblogr.de Webrings von Thomas Gigold, der selbst so passend über seinen Webring schrieb:
“Vor Facebook, Instagram und TikTok gab es private Webseiten und Blogs. Im „alten Internet“ ging es nicht um Reichweiten, Likes und perfekte Inszenierung. Es war der Platz, an dem man nicht einfach ein Statement veröffentlichte, sondern auch den Prozess teilte. Das Machen war wichtiger als das Ergebnis. UberBlogr ist eine Liebeserklärung an genau dieses alte Internet.
”
Dies kann man auf seiner Seite regelrecht spüren. Denn dies ist nicht nur ein „einfacher“ Webring, in dem Links ausgetauscht werden. Es handelt sich hierbei um ein Exemplar, das Blogs kuratiert und händisch überprüft. Auch die zusätzlichen Funktionen wie der direkte RSS-Import, die Sortierung nach Tags oder die Erweiterung des Mastodon-Bots heben das Angebot des uberblogr.de Webrings deutlich hervor.
Wer also Wert auf einen Webring legt, der nicht nur moderativ betreut wird, durch technische Extras auffällt und zudem eine klare Haltung vertritt, der sollte seinen Mausklick einmal für nähere Details beim uberblogr.de Webring pausieren.
Disclaimer: Mir wurde für diesen Beitrag keine Aufwandsentschädigung angeboten. Ich habe dieses Thema aufgegriffen, weil ich gerne auf dieses schöne Projekt aufmerksam machen wollte.
Quellen: Zitat aus „Über“ von uberblogr.de, Teilinformationen aus Wikipedia bezüglich Entwickler und Übernahme. Die im Titelbild sichtbaren Marken dienen lediglich der Illustration des historischen Kontexts.
Kennt ihr noch die glitzernden Buttons und blinkenden Banner der 90er/ frühen 2000er, oder seid ihr erst später zur Blogosphäre gestoßen?
(ich bin ja am überlegen, selbst nochmal eins zu erstellen :-)
--- huch --- 

