Heute möchte ich keine Review verfassen, keine Meinung kundtun. Heute möchte ich euch hinter etwas blicken lassen, das ich bewusst vor vielen Jahren verschlossen habe – hinter sehr dicken Mauern.
Vor gut zehn Jahren fand ich mein persönliches Glück bei einer Frau von Substanz. Ich war nie jemand, der eine Frau auf Äußerlichkeiten reduzierte, sondern jemand, den die inneren Werte anzogen. Ein Klischee, meinst Du? Dann lies bitte weiter, denn vielleicht erkennst Du heute etwas, das Du so noch nicht gesehen hast oder gar kanntest.
Es war vor zehn Jahren nicht nur irgendeine Frau. Für mich war sie damals die Frau, die ich an den Altar geführt hätte, mit der ich meine Zukunft sah. Doch wie gesagt: Es lag nicht an ihrem Aussehen, ihrer Art oder dem, was sie tat. Es war dieses Besondere, das mich fesselte. Kein unangenehmes Gefühl, sondern ein vertrautes, als hätte man sich schon einmal begegnet. Etwas, das sich nach mehr anfühlte. Wie eine direkte Verbindung zweier Seelen.
In gewissen Kreisen spricht man hier von einer Zwillingsflamme – einem seltenen, intensiven Band zwischen zwei Menschen.
Wer so eine Verbindung einmal spürt, kann sich auf weniger kaum noch einlassen. Unsere Beziehung zerbrach vor zehn Jahren, doch das unsichtbare Band blieb lange bestehen. Kaum eine Frau kam danach in die Nähe, mit mir eine solche Tiefe zu erreichen – und das aus gutem Grund.
Egal, wie reizvoll eine Frau auch war, nie erreichte sie dieses Level. Innerhalb anderer Beziehungen fehlte einfach die Substanz. Nicht, dass Liebe ohne diese Verbindung unmöglich wäre, aber wenn man sie einmal erlebt hat, setzt man einen neuen Standard: für Liebe, Nähe, Intimitäten und Erfüllung.
🎧 Tipp: Wenn dich diese Geschichte berührt, schau dir auch mein YouTube-Video "1 Anruf: Dein Leben - Besondere Menschen “ an - dort spreche ich als das Leben selbst über genau diese Art von Verbindung und was der Verlust bedeutet.
Wenn man versucht, so eine Verbindung zu beschreiben, stößt man schnell an Grenzen. Sie ist unbegreiflich. Man spürt, dass da mehr ist. Man teilt Gedanken, vollendet Sätze, bewegt sich im gleichen Rhythmus. Es ist fast, als würde man eine Art Telepathie erleben. Eine ständige Kommunikation, selbst über Distanz hinweg. Man spürt, wenn der andere glücklich ist oder leidet. Man übernimmt für seine Zwillingsflamme ohne darüber nachdenken zu müssen, auch die Verantwortung, einfach weil es sich wie eine Natürlichkeit anfühlt.
“You are the hole in my head, you are the space in my bed. You are the silence in between what I thought and what I said.
You are the night time fear, you are the morning when it′s clear when it's over you′re the start, you're my head, you're my heart”
– Florence + the Machine, No Light, No Light
So kam es, dass ich nach über zehn Jahren wieder eine solche Begegnung hatte. Erneut trat eine Frau in mein Leben, brachte Licht, und eine Intensität, die direkt in meine Seele drang, und auch sie spürte es ebenso. Eine seltene, erneute Begegnung auf dem Niveau einer Zwillingsflamme.
Eines Tages kam es zu einem spontanen Treffen. Ich hatte ihr oft gesagt, dass ich komme, egal wann sie mich ruft, und dieser Tag kam.
Ich machte mich sofort auf den Weg, überwältigt von Emotionen. Als ich sie sah, nach all den Jahren mit schönen aber Frauen ohne Substanz, entlockte allein ein Blick in Ihre braunen Augen, meinem Körper eine Energie, wie ich sie ewig nicht mehr gespürt hatte. Ich konnte nicht anders, ich musste mir einfach ihre Augen einprägen. Diese Fixierung blieb ihr selbstverständlich nicht unbemerkt.
Ich verstand in diesem Moment, welche Art von Beziehung ich wirklich brauche, um funktionieren zu können, und ich begriff gleichzeitig, mit welchen Mustern ich nie wieder leben möchte. Die Antwort war einfach: Niemals weniger als dieses Gefühl von tiefer Verbundenheit.
Diese Frau war der Spiegel meiner Seele, alles fand sich in ihr wieder. Doch ich ahnte nicht, dass genau dieses Gefühl mich tiefer in die Fassungslosigkeit treiben würde, als ich es je für möglich hielt. Es waren hier nicht nur Gemeinsamkeiten ersichtlich und spürbar, sondern auch Schwüre gefallen, welche man nicht einfach so einem anderen Menschen kommuniziert, Wörter die man nur dann wählt, wenn man sich wirklich tief zu jemanden hingezogen fühlt.
Denn sie - als Zwillingsflamme - war längst vergeben. Vielleicht verdrängte ich es ein wenig aber für mich stand es in keinem Widerspruch, dass man dennoch eine wundervolle Zeit miteinander verbringen könnte, basierend auf klaren Regeln. Irgendwann musste ich mir jedoch eingestehen, dass sie es war, welche diese kontrastreichen Aspekte hätte nicht voneinander trennen können,weil ihr Leben bereits durch einen anderen Mann ausgefüllt war.
Trotzdem hielt ich fest. Ich glaubte daran, dass man diese Verbindung aufrechterhalten kann, ohne Grenzen zu überschreiten. Ich legte meine eigenen Prinzipien fest, respektierte ihre Regeln und schützte diese ebenso für sie, wenn sie in Gefahr war, diese zu brechen.
Lange Zeit funktionierte das sogar. Unser Verständnis füreinander wuchs mit jeder Stunde, die wir gemeinsam verbrachten. Doch irgendwann holte uns die Realität ein.
So kraftvoll und intensiv diese Verbindung auch war, sie passte scheinbar nicht in ihr Leben. Obwohl sie mich sogar in ihrer Nähe haben wollte und Wohnungen für mich bzw. für uns suchte, nur damit wir morgens und abends zusammen sein können (<- vergiss diesen Satz nicht, wenn Du nun weiterliest). Vielleicht spürte sie, dass diese Energie zu stark war, um diese nur nebenher zu tragen, und obwohl sie sich bei mir so wohlfühlte, suchte sie Wege, diese Verbindung zu beenden - aus Angst vor dem, was sie sonst verlieren könnte. Denn so sehr ich ihr Verhalten durch unsere Verbindung verstehen konnte, die Ambivalenz sah, die irrationalen Begründungen nachvollzog – sie selbst sah für sich keinen anderen Ausweg.
“Excuse me for a while, while I'm wide-eyed and I'm so down, caught in the middle.”
– London Grammar, Strong
Ich erkannte die Züge, die sie unternahm, um der Realität zu entkommen, einer Realität, in der sie in mir den Menschen gefunden hatte, der sie mit so kleinen Dingen, die für mich selbstverständlich waren, glücklich machen konnte, auch ich fühlte es so von ihr. Doch sie begann, künstliche Distanzen aufzubauen und ich sah jeden einzelnen Schritt, durchschaute jedes Muster und las in ihrer Stimme und den Ausdrucksformen ihrer Schrift die Tragik eines Schauspielens, das nicht zu ihrem wahren Charakter passte und wie sollte es auch zu einer Frau passen, die wenige Wochen zuvor noch eine (gemeinsame) Wohnung suchte?
Irgendwann konnte ich in diesen Mustern den Verlauf der Zeit erkennen. Ich schrieb es mir auf, innerhalb von zwei Wochen, sollten sich wohl unsere Wege für immer trennen.
Am Ende blieb nur ein letztes „Viel Glück“ – und die bittere Erkenntnis, dass da draußen jemand existiert, der dasselbe spürt, es sich aber nicht erlaubt, danach zu leben. Aus Angst, vielleicht mehr zu verlieren als zu gewinnen, obwohl doch alles dagegensprach, und die Tiefe der Verbindung längst bewiesen war.
“Was jetzt ist, wird nie mehr ungeschehen – die Zeit läuft uns davon.”
– Wolfsheim, kein Weg zurück
Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn etwas so Mächtiges in uns aufbricht, dass wir seine Tiefe kaum ertragen und die wahre Hingabe fürchten, suchen wir Zuflucht im Gewohnten, vielleicht, weil uns der Kontrast erschreckt, der zeigt, was der Alltag längst verborgen hielt: wie viel Gefühl wir verlernt haben zuzulassen und wie tief wir noch empfinden können.
Nur eben zur falschen Zeit, für die falsche Person. Wo immer dich dein Weg auch hinführen wird, ich wünsche Dir nur das Beste und wenn es so sein soll, treffen wir uns früher, im nächsten Leben.
Ich habe gehofft, dass Du nur ein wenig Zeit benötigst, um besser zu verstehen, auch wenn ich deine Gedanken ab dem Zeitpunkt der ersten mutwilligen 'Distanzwelle' durchschaute. Ich habe dennoch mein Vertrauen in dich gesetzt, dass Du realisieren würdest, dass Du nicht nur irgendein Mensch bist und das was Du in den ersten Wochen selbst auch in Dir gespürt hast, den Wert unserer Verbindung beweisen würde, die es wert ist aufrechtzuerhalten mit allen Konditionen auf die wir uns einigten. Doch ich lag wohl falsch.



